
6. Reisetag
Mittwoch, 25. Juli 2012
Rjukan-Bergen
Kaum zu glauben, aber doch wahr: ein erster Blick aus dem Fenster am frühen Morgen liess mich vorwiegend blauen Himmel erkennen. Es war mir aber definitiv zu früh zum Aufstehen, doch die Motivation, noch lange im Bett liegen zu bleiben, war dann auch nicht mehr gross. In Norwegen kann sich das Wetter sehr rasch ändern, so dass die Freude am blauen Himmel nur von kurzer Dauer sein könnte. Tatsächlich zog bald schon eine Art Bodennebel auf, und als sich dieser aufgelöst hatte, waren schon erste Wolkenpakete zu sehen.
Kurz nach 8 Uhr verliess ich das Hotel in Rjukan und richtete mein Wohnmobil für die nächste Etappe ein. Da ich stets alle Wertsachen nachts ins Hotelzimmer mitnehme, braucht es jeden Morgen und Abend ein paar Minuten, um die Ware ein- und auszupacken.
Ich fuhr auf der Hauptstrasse 37 westwärts. Von Rjukan (300 m.ü.M.) führte die Strasse bergauf zum Møsvatn, ein Gebirgssee auf 900 m.ü.M., wo ein Kursschiff auf zahlreiche Wanderer und Fischer wartete. Dieser See hat einen Arm, der bis zur Hardangerhochebene reicht.
Auf verlassenen Strassen ging die Fahrt bergauf und bergab weiter nach Rauland, dann auf der Hauptstrasse 362 einem malerischen See namens Totak entlang nach Edland, wo ich auf die E134 stiess. Dies ist eine wichtige West-Ost-Verbindung (Haugesund-Oslo) in Südnorwegen und daher etwas mehr befahren. In wunderschöner Weise führt die Strasse über das Haukelifjell, und so gelangt man von bewaldeten Landschaften in eine karge Hochgebirgsebene innerhalb weniger Minuten.
Die Strasse ist in den letzten Jahren stark ausgebaut worden und ist über das Fjell auf weiten Teilen mit einer Strassenbeleuchtung (!) ausgerüstet. Einen Tunnel von 6 km Länge umging ich, indem ich die alte Strasse über den Berg benutzte.
Die Fahrt durch die Telemark war von schöner, abwechslungsreicher Landschaft gekennzeichnet. Danach folgte der Übergang über das Haukelifjell, wo die Landschaft karger, aber nicht minder spannend wurde:
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Wieder unten auf rund 300 m.ü.M. in Røldal gab es wieder einmal eine Stabkirche zu besuchen.
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Die nächste Etappe war die Ortschaft Sauda am Saudafjord. Bei der Auswahl der Reiseroute stellte ich mir unter der Hauptstrasse 520 eine ganz normale Strasse vor. Es handelte sich jedoch um eine schmale, holprige Strasse, die weit hinauf ins Gebirge führte, aber landschaftlich spektakulär war. Wegen den vielen Fotohalten und den Kreuzungsmanövern wurde die 42 km lange Strecke eine längere Reise.
Während beim Haukelifjell noch dichtere Bewölkung vorherrschte, wurde es mit jedem Meter Fahrt immer besseres Wetter.
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Kurz nach Sauda folgte der Svandalfossen, ein riesiger Wasserfall, der von der Nähe angeschaut werden kann.
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Je weiter ich auf den Strassen 46 und E134 westwärts gelangte, desto sonniger war das Wetter. Nördlich von Haugesund traf ich auf die E39, welcher ich dann bis Bergen folgte. Vor Leirvik unterquerte die Strasse in einem abgasgefüllten Unterseetunnel das Meer auf 8 km länge. Das war eine ausserordentlich eindrückliche Angelegenheit, die dadurch verstärkt wurde, dass das Navigationsgerät kurz vor der Einfahrt in den Tunnel eine Radarwarnung ausstiess.
Eine 45-minütige Fährenfahrt wurde zwischen Sandvik und Krokeide nötig. Zum Glück musste ich auf die Fähre nicht lange warten. Das moderne Fährschiff, das für 212 Autos Platz gehabt hätte, war nur zu einem Teil gefüllt.
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Die letzten Kilometer bis zum Hotel in Bergen fühlten sich sehr lang an und waren wegen unklaren Befehlen des Navigationsgeräts eine Tortur. Das Finden des Hotels war eine schwierige Sache, die durch das Navigationsgerät auch nicht gelöst werden konnte. Als ich dann endlich mit dem Auto beim Hotel ankam, war ich ganz geschafft.
Dafür bin ich nun wieder einmal in Bergen, der wohl schönsten Stadt von Norwegen. Nach dem Zimmerbezug machte ich einen zweieinhalbstündigen Rundgang, um vertraute Orte in der Stadt wieder zu besuchen. Neu gehört natürlich das nach Nesttun fahrende Tram mit den Variobahnen von Stadler zu den Sehenswürdigkeiten. Zufälligerweise konnte ich gerade einen vorbeifahrenden Tramkurs sehen.
Die heutige Etappe umfasste 414 km Fahrt und ein paar Kilometer Fähre. Es waren herrliche Landschaften, die ich auf meist leeren Strassen gemütlich durchqueren konnte.
Und das war die Route des 6. Reisetags:
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