
8. Reisetag
Freitag, 27. Juli 2012
Lærdal-Skjolden
Die asiatischen und russischen Reisegruppen, die im gleichen Hotel übernachten, machten sich ab etwa 05.30 Uhr mit einigen Geräuschen bemerkbar. Die haben offenbar ein derart vollgepacktes Programm, dass am Morgen in aller Frühe abgefahren werden muss. Für mich hiess das, mit dem Morgenessen bis nach 8 Uhr zu warten, vorher hätte es im Speisesaal keinen Platz gehabt.
Anfänglich war der Himmel mit Schäfchenwolken und anderen Wolkengebilden verziert, aber nach und nach löste sich das alles auf.
Nach einer 6 km langen Tunnelfahrt und wenigen weiteren Kilometern erreichte ich die Fährstation, wo ich für die Fahrt über den Sognefjord verlud. Die Fährfahrt bis an die gegenüberliegende Felswand dauerte kaum mehr als 15 Minuten. Bald folgte die Ortschaft Kaupanger, die im Besitz einer Stabkirche ist. Im „Schnellverfahren“ erledigte ich auch diese Stabkirche (man muss ja nicht alle von innen gesehen haben), dann fuhr ich zum Flugplatz von Sogndal. Während Sogndal am Fjord liegt, befindet sich der Flugplatz – mit Linienflügen aus Oslo und Bergen – auf vermutlich etwa 800 m. Eine steile, kurvenreiche Strasse führt dorthin, und zwischendrin hat es Aussichtspunkte, die auch auf der Landkarte vermerkt sind.
Der Sognefjord ragt weit über 100 km von der Westküste Norwegens ins Land hinein und hat unzählige Nebenarme. Für die verkehrsmässige Erschliessung des Landes stellt er ein Hindernis dar, das an vielen Stellen mit Fähren überbrückt wird. Der Weg von der einen Ortschaft in die andere erfordert häufig einen grossen Umweg, der dadurch erschwert wird, dass die Verkehrswege häufig über das Hochgebirge führen. In den letzten Jahren wurden deswegen zahlreiche Tunnels erstellt.
Die Überquerung des Sognefjords ist bei schönem Wetter eine angenehme Angelegenheit:
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In Kaupanger am nördlichen Ufer des Sognefjords steht eine Stabkirche, die aufgrund der nahen Lage zur Hauptstrasse E5 häufig besucht wird:
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Der Flughafen von Sogndal liegt auf einem Berg, da es in der Nähe der Ortschaft keine Ebene gibt und der Anflug inmitten der Berge zu schwierig wäre. Auf dem Weg zum Flughafen hat es schöne Aussichtspunkte:
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Nach Sogndal steigt die nordwärts führende Hauptstrasse bis zu einem See namens Veitnastrandsvatnet auf 172 m Höhe. Dort zweigte ich ab, um auf einer steilen Strasse in Solvorn wieder auf Meereshöhe zu gelangen. In Solvorn, ein kleines Dorf, hatte es Feriengäste, die im Lustrafjord badeten, was angesichts der zu erwartenden Wassertemperatur sicher sehr erfrischend war. Mein Ziel war die kleine Fähre mit Platz für 8 Autos – auf die rückwärts gefahren wird – nach Urnes, wo sich die älteste Stabkirche befindet. Die Überfahrt mit den kleinen Fährschiff dauerte rund 20 Minuten, dann durfte man noch ein wenig den Hang hochfahren, und am Schluss war ein schweisstreibender, steiler Fussmarsch angesagt (bei geschätzten 25 Grad). Kommt man in die Nähe der Stabkirche, wird man sofort darauf aufmerksam gemacht, dass man 65 Kronen schuldig sei. Dafür war eine geführte Tour inbegriffen, weil die Kirche nur in Begleitung betreten werden darf. Sehr ausführlich, für meine Begriffe zu ausführlich, erzählte die Führerin ihr ganzes Wissen über die Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Fotografieren in der Kirche war leider untersagt.
Solvorn am Lustrafjord (Seitenfjord des Sognefjords) ist ein hübsches Dörfchen, das als Ferienort dient. Von dort erfolgt die Fährüberfahrt nach Urnes mit einer kleinen Fähre, die 8 Autos Platz bietet:
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In Urnes steht die älteste Stabkirche Norwergens. Beim Bau ca. 1135 wurden sogar Materialien aus Afghanistan verwendet, auch wenn diese nicht einfach übers Internet geordert werden konnten. Da Urnes relativ umständlich zu erreichen ist, sind die Besucherzahlen eher bescheiden.
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Da ich mich auf der falschen Seite des Lustrafjords befand, musste ich die Nebenstrasse (31 km) bis ans Ende des Fjords nehmen, bis ich wieder auf die Hauptrasse 50 über das Sognefjell stiess. Diese Nebenstrasse war entsprechend schmal und hatte drei längere, völlig unbeleuchtete Tunnels.
In Fortun geht die flache Strasse in die steile Bergstrasse über das Sognefjell über. Von praktisch Meereshöhe ging die Fahrt rassig bis auf gegen 1500 m. Da das Sognefjell so halbwegs ein Muss ist, hatte es etwas mehr Verkehr als gestern auf dem Aurlandsfjell, aber trotzdem war ich minutenlang allein unterwegs. Einige Autos mit Schweizer Kennzeichen kamen mir entgegen (inkl. Busse von Schneider Reisen und Marti).
Leider war der Himmel zunehmend bewölkt, so dass das Erlebnis Sognefjell nicht an die gestrige Fahrt über das Aurlandsfjell herankam. Aber auch diese Strasse ist im Hochgebirgsbereich ganz speziell, und die Aussicht auf die umliegenden Berge und Gletscher ist die Reise wert.
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Die Talfahrt nach Lom zog sich in die Länge, war aber natürlich landschaftlich sehr schön. Da von Lom aus praktisch nur die Weiterreise nach Grotli und Geiranger möglich ist und diese Destinationen erst in ein paar Tagen geplant sind, tankte ich und kehrte wieder um. Nach 20 km zeigte ein Wegweiser „Galdhøppigen“ an. Kurzerhand beschloss ich, die angegebenen 15 km unter die Räder zu nehmen, denn unter Galdhøppigen verbirgt sich der höchste Berg der Region. Bis zur Waldgrenze auf etwa 1000 m war die Strasse frei, nachher musste ich mit der Kreditkarte unter Abbuchung von 85 Kronen eine automatische Schranke öffnen. Eine etwas wellige, aber sonst gut ausgebaute und breite Strasse führte atemberaubend steil quer über die karge Fjelllandschaft bis auf 1900 m zur Juvasshytta. Dort befinden sich ein Sommerskigebiet auf dem Gletscher und eine Unterkunft für diejenigen, die sich in den Bergen des Jotunheimen-Nationalparks austoben wollen. Die Aussicht während der Bergfahrt war wesentlich aufregender als hier oben auf der Hochebene, aber immerhin war der Galdhøppigen zu sehen.
Die Strasse zur Juvasshytta am Fuss des Galdhöppigen führt von 400 m auf 1900 m und ist entsprechend steil:
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Leider setzte nun Regen ein. Der Himmel war seit etwa zwei Stunden völlig bedeckt, mittlerweile so stark, dass die Sonne nicht mehr durchdrücken konnte. So fuhr ich die steile Strasse wieder abwärts von 1900 m auf rund 400 m und setzte die Fahrt über das Sognefjell zurück fort. Dort war der Verkehr mittlerweile so schwach, dass ich während der ganzen Fahrt weder vor noch hinter mir ein anderes Auto hatte. Ich kam zügig vorwärts, wurde aber oben auf dem Fjell durch strömenden Regen gebremst. Das Thermometer im Auto zeigte oben noch 7°C an, obwohl ich es wenige Stunden vorher noch recht warm empfunden hatte.
In Skjolden am Lustrafjord steuerte ich direkt auf das grosse Hotel zu und bekam ohne Probleme ein Zimmer.
Das Wetter ist nun ganz schlecht. Es müsste ein Wunder geschehen, wenn morgen wieder schön ist. Vermutlich werde ich morgen einen ruhigeren Tag mit nur wenigen gefahrenen Kilometern erleben, so dass ich mich von den Vortagen erholen kann.
Zum Abschluss des heutigen Tages die abgefahrene Route:
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