9. Reisetag

Samstag, 3. August 2013

Hammerfest - Nordkapp - Lakselv

Bei der Planung der Reise war ich mir noch gar nicht sicher, ob ich das Nordkapp besuchen soll. Zwischenzeitlich reifte der Wunsch, auch mal dort gewesen zu sein, damit man "in Fachkreisen" mitreden kann. So stand also heute die weite Reise an den sogenannt nördlichsten Punkt Europas auf dem Programm.

Als gestern Abend plötzlich einzelne blaue Löcher in der Wolkendecke auftauchten, schöpfte ich Hoffnung, dass etwas besseres Wetter kommen würde. In der Tat: Hammerfest strahlte im schönsten Sonnenlicht, als ich den ersten Wettercheck vornahm. Es war mir aber bewusst, dass das Wetter bis zum Nordkapp noch zig-mal ändern kann und dass das Nordkapp selber an 300 Tagen im Jahr im Nebel steckt.

Bei schönem Wetter geht das Frühstück viel schneller hinunter, weil dann mein Tatendrang viel grösser ist. Daher sass ich bereits um 8 Uhr abreisebereit im Auto. Zunächst machte ich einen fahrenden Rundgang durch die Ortschaft, um in Zukunft auch beim Thema Hammerfest mitreden zu können. Gegen 100 m über der Stadt hat es ein Restaurant mit Superaussicht, das ich gestern schon zu Fuss besuchte und heute automobil ansteuerte. Erstaunlich ist, dass es seit 1.8. wegen Saisonende schon wieder geschlossen ist. Ferner findet man in der Stadt eine moderne Kirche, dann sind eigentlich schon alle "Sehenswürdigkeiten" erwähnt. Am Stadtrand ragt die grosse Raffinerie des Polarerdgasfeldes "Schneewittchen" (Snøhvit) auf.

Hammerfest scheint von einer besonderen Lage zu profitieren, denn kaum war ich ausserhalb der Stadt, war fertig mit Sonnenschein. Immerhin war zu sehen, dass die Wolkendecke nicht sonderlich dick war. Die 57 km bis Skaidi kannte ich noch von gestern. Auf der E6, am Samstagmorgen sowieso fast leer, folgte ein etwas mehr als 20 km langer Fjellübergang, dann erreichte ich Olderfjord am beiten Porsangerfjord. Hier zweigt die Strasse ans Nordkapp ab. Die Fortsetzung der E6 nach Lakselv - Kirkenes wird wahrscheinlich weniger befahren, da alle Touristen, die sich bis hierhin verirren, ans Nordkapp wollen.

So viele waren es am 3. August auch nicht mehr, die die letzten 130 km ab Olderfjord in Angriff nahmen. Die Strasse führte zunächst kurvenreich und landschaftlich herrlich der Küste entlang, dann wurde die Landschaft immer karger und flacher. Es war eine wirklich ausserordentlich eindrückliche Fahrt, die ich laufend mit Fotohalten unterbrechen musste.

Das Nordkapp liegt auf einer Insel, die seit 1999 mit einem Unterseetunnel verbunden ist. Der 6800 m lange Tunnel sticht bis -212 m hinunter. Mein Hybrid war dann auf der Steigung von -212 m auf 0 m tief unter dem Boden eine recht lahme Ente, zudem liefen die Scheiben an, so dass ich mit offenen Fenstern fahren musste.

Auf der Insel Magerøya liegt die aktuell nördlichste Stadt Europas, nämlich Honningsvåg, an welcher man auf dem Weg zum Nordkapp enfach vorbeifährt. Es handelt sich seit Olderfjord um die erste Ortschaft, und das nach rund 100 km Fahrt.

Die gut ausgebaute Strasse windet sich auf Magerøya mehrmals hinauf und hinunter, dann beginnt die letzte lange Steigung auf gut 300 m.ü.M. zum Nordkapp. Zwischendurch hat man eine grandiose Aussicht auf die wilde Natur:

Schon im Bereich von Hammerfest, aber noch viel ausgeprägter auf der Strasse zum Nordkapp, waren immer wieder einzelne Rentiere oder ganze Gruppen mitten auf der Strasse anzutreffen. Da diese Tiere ohne Warnweste mitten auf der Strasse unterwegs sind und zum Teil erst kurzfristig entdeckt werden, ist die nötige Vorsicht beim Autofahren geboten. Diese Rentiere sind aber so etwas von herzig, dass man gerne anhält und wartet, bis sie den Weg wieder freigeben. Es war recht schwierig, diese Rentiere zu fotografieren, weil sie sich sofort aus dem Staub machten, sobald ich das Fenster öffnete. Hier ein paar Eindrücke:

Und dann war es soweit: ich erreichte das Nordkapp! Über dem rund 300 m hohen aus dem Eismeer ragenden Plateau lagen Nebelschwaden, so dass noch wenige Meter vor dem Eingang die Sichtweite kaum bis zum Auto vor mir reichte. Kurz vor dem Ziel lichtete sich der Nebel ein wenig und es tauchten die Zahlhäuschen auf. Dass man das Nordkapp besuchen darf, ist dem norwegischen Staat eine Abgabe wert. Für mich und mein Auto bezahlte ich rund CHF 40 und erhielt das Recht, mich 48 Stunden dort oben aufzuhalten.

Da das Nordkapp auf einer Insel liegt, befindet sich der echte nördlichste Punkt von Europas Festland etwas weiter östlich in der Nähe der Stadt Mehamn.

Die erste Handlung war das Abstellen des Autos auf dem grossen Schotterplatz. Da die Saison offenbar schon wieder am Abflauen ist, herrschte gar kein Chaos. An den Spitzentagen muss dort oben alles drunter und drüber gehen. Mein Opel Combo wird sicher wahnsinnig traurig sein, wenn er mitbekommt, dass ich fremdging und mit einem japanischen Playmobil an diesen so einmaligen Punkt auf der Welt reiste.

Viel zu sehen gibt es am Nordkapp nicht. Man schaut aufs Meer und auf die umliegenden Klippen, läuft den Absperrzäunen entlang und dreht Runden um den Stahlglobus. Das Besondere ist sicher die lange und eindrückliche Anreise, nicht unbedingt der Ort selber. Eine Wanderung auf den Lofoten dürfte um ein Vielfaches spannender sein.

Damit die Besucher, die den weiten Weg unternommen haben, unterhalten werden, wurde ein riesiger Touristenzenter aufgestellt, der selbst eine unterirdische Kapelle und einen grossen Kinosaal umfasst. Im Kinosaal wird auf einer Breitleinwand ein eindrücklicher Film über die vier Jahreszeiten am Nordkapp vorgeführt, den ich mir auch anschaute. Viel Platz nimmt natürlich auch der Souvenirladen ein, in welchem das Bedürfnis vieler Besucher gestillt wird, ein Mitbringsel erstehen zu können.

Der Besuch am Nordkapp hat sich auf jeden Fall gelohnt, so kann ich mir jetzt endlich darunter etwas vorstellen. In der Hauptsaison wird hier die Hölle los sein. Es hatte bei meiner Ankunft nur einen einzigen Car auf dem Parkplatz, Bildern zufolge können es locker 30 Cars gleichzeitig sein.

Auf der Rückfahrt machte ich den Abstecher in die Kleinstadt Honningsvåg, wo um 15.15 Uhr die Hurtigrute auslief. Die Hurtigroute legt auf der Tour nordwärts einen anderthalbstündigen Halt in Honningsvåg ein, damit die Schiffspassagiere in dieser Zeit mit Bussen schnell ans Nordkapp reisen können.

Wunderschön stand das Schiff der Hurtigrute im Hafen. Es war das Motorschiff Nordlys, das einen Tag hinter der in Tromsø gesichteten MS Polarlys verkehrt. Die MS Nordlys wurde 1994 gebaut. Auf der Homepage der Hurtigrute kann man den aktuellen Standort aller 11 Schiffe, die im Sommer im Umlauf sind, anschauen:

Auf nahezu leeren Strassen legte ich weitere 160 km bis zur Ortschaft Lakselv ("Lachsfluss") zurück, wo das ansässige Hotel jede Menge freie Zimmer hatte. Unterwegs kamen mir ein Car von Eurobus und von Twerenbold entgegen.

Die 422 km lange heutige Reiseroute zum Abschluss. Die Mietwagenfirma wird Freude an mir haben, habe ich doch schon 3029 km zurückgelegt...