36. Reisetag

Ostersonntag, 5. April 2015: Dargaville - Auckland

In der vergangenen Nacht war Vollmond. Ich schaute immer wieder zum Fenster hinaus, um mich zu vergewissern, ob es noch Wolken vor dem Mond hatte. Leider gab es wirklich keine echte Vollmondnacht, wobei ich gar nicht so recht gewusst hätte, was ich dann fotografieren wollte. Um Mitternacht wäre der Mond dann frei gewesen, wäre es nicht zu einer Mond-Teilfinsternis gekommen. Ich versuchte mit dem Teleobjektiv dieses seltene Ereignis einzufangen, was aber kaum gelang.

Obwohl der Wetterbericht nicht einen Supertag voraussagte, erblickte ich einen wolkenfreien Himmel in Dargaville. Mittlerweile wusste ich, dass in Neuseeland das Wetter schnell ändern konnte, sowohl von gut in schlecht als auch umgekehrt. Was mich aber mehr verwunderte, war, dass der alte Radiowecker 07.30 anzeigte, derweil Mobiltelefon und Laptop erst 06.30 hatten. Ich konnte mir das nicht erklären, schliesslich war die Sonne gerade am Aufgehen, und das war in den letzten Tagen immer zwischen 07.30 und 08.00 Uhr. Google wusste Rat: in Neuseeland wird am ersten Sonntag im April auf Winterzeit umgestellt, d.h. die Uhren um eine Stunde zurückgedreht. Ich bekam so also gratis eine zusätzliche Ferienstunde.

Die Fahrt nach Auckland verlief ohne nennenswerte Ereignisse. Die ersten 100 km war ich mehr oder weniger allein auf der Strasse, dann auf dem Highway 1 war viel Verkehr, so dass es zu permanenter Kolonnenfahrt kam. Der breite Fluss, der durch den Ort Dargaville fliesst, mündet weiter nördlich ins Meer, so dass kaum mehr ersichtlich ist, wo die Meeresbucht aufhört und der Fluss anfängt.

In Auckland steuerte ich das MOTAT, das Museum of Transportation and Technology, an. Das Navigationsgerät führte mich durch die ganze Stadt, wobei sich der Verkehr dank Ostern stark in Grenzen hielt. Dennoch musste ich von einem Motorway auf den andern wechseln, unzählige Male die Spur wechseln, und als ich fast vor dem Eingang des Museums stand, erforderte eine baustellenbedingte Umleitung eine halbe Stadtrundfahrt. Zwischenzeitlich war der Himmel komplett bewölkt, es sah aber nicht nach unmittelbarem Regenfall aus.

Das MOTAT hat zwei Standorte, die 1.7 km auseinander liegen. Dazwischen pendelt ein Museumstram, das auch noch den Zoo auf halber Strecke bedient. In erster Linie hatte ich es auf das Tram abgesehen, war es doch das letzte Museumstram in Neuseeland, das mir bekannt war und noch nicht besucht worden war. Zwei Tramwagen, vermutlich einst in Melbourne im Einsatz, waren unterwegs. Als ich mich dann mitten auf offener Strecke befand, setzte der Regen ein, und zwar recht stark, und mein Schirm ruhte im Auto. Unter einem Baum, dann unter einem Vordach musste ich Zuflucht suchen, sonst wäre ich viel zu nass geworden.

Der Trambetrieb verfügt über ein durchgehendes Dreischienengleis, einerseits für die Spurweite 5 Fuss und andererseits für die Spurweite 5 1/2 Fuss, da es Museumsfahrzeuge in beiden Spurweiten zu geben scheint.

Als der Regen dann nicht aufhören wollte, flüchtete ich ins Museum selber. Dieses ist ein wenig ein chaotisches Sammelsurium, es hatte vier Tramwagen, eine Dampflok, diverse Oldtimerautos, ein viktorianisches Dorf mit Werkstätten, eine kleine Modellbahnanlage, einen ehemaligen Bahnhof und im Moment eine Lego-Ausstellung. Für mich war der Oldtimertrambetrieb nach wie vor das Beste dort.

Ich rechnete aus, wie lange ich im Museum bleiben könnte, um im Zeitplan zu bleiben. Dabei unterlief mir der Fehler mit der Winterzeit, so dass ich plötzlich eine Stunde voraus war im Zeitplan. Aber es hätte sich ohnehin nicht mehr gelohnt, im MOTAT länger zu bleiben, da ich meinen Rundgang abgeschlossen hatte. Wir sind mit dem Verkehrshaus in Luzern eben schon verwöhnt und können die Messlatte sehr hoch ansetzen.

Navigationsgerätgesteuert fuhr ich zum Hotel in der Innenstadt, wo ich mein Zimmer im 14. Stock bezog. Ich staunte nicht schlecht, als ich aus dem Fenster schaute und den SkyCity-Turm fast zum Anfassen nah vor mir hatte.

Jetzt musste ich einfach daran denken, dass ich dann nachts die Vorhänge zuziehe, sonst sehen die Turmbesucher direkt in mein Hotelzimmer.

Das Wetter war auch wieder besser geworden. Ich hoffte auf einen trockenen Abend, um mit dem Schiff die Bucht zu überqueren und Auckland von Devonport aus anzuschauen. Vorher fuhr ich zum Flughafen, wo ich meinen Mietwagen zurückgab. In den 32 Miettagen legte ich 9xxx km zurück, was einem Tagesdurchschnitt von 299 km entspricht. Das Minimum lag bei 66 km am 10. März, das Maximum bei 551 km am 20. März. Der Avis-Mitarbeiter fand keinen einzigen Kratzer und beanstandete weder die grosse Kilometerleistung noch den Schmutz. Ich war sehr erleichtert, dass auch diese Leihwagengeschichte ohne Probleme beendet werden konnte. Es werden nicht alle Mietautos unbeschädigt zurückkommen, gewisse werden gar nie mehr zurückkommen.

Mit dem Flughafenbus fuhr ich in die Stadt zurück zum Hotel, wo ich mich für das Abendprogramm startklar machte. Ausgerüstet mit den nötigen Utensilien der Fotoausrüstung fuhr ich mit einem Schnellboot über die grosse Bucht vor Auckland nach Devonport hinüber. Bereits schon die Schifffahrt war eindrücklich, aber der Ausblick von der andern Seite der Buch war es noch mehr. Der Mt. Victoria in Devonport wurde noch von den letzten Sonnenstrahlen beleuchtet, und auf diesen Hügel wollte ich ja.

Ich wollte unbedingt die Abendstimmung einfangen mit der tiefstehenden Sonne, und das vom Mt. Victoria aus. Das gab dann eine relativ schnelle und entsprechend anstrengende Besteigung, die aber die Mühe wert war. Dass ich dort oben nicht ganz allein war, dürfte klar sein.

Die Zeit nach dem Sonnenuntergang, also die sogenannte blaue Stunde, verbrachte ich am Ufer in Devonport direkt gegenüber der Skyline von Auckland. Ich wollte die verschiedenen Stufen des Eindunkelns festhlaten. Während über Auckland selber eine lockere Bewölkung zu sehen war, braute sich über Devonport etwas zusammen, dem ich zu wenig Beachtung schenkte. Jedenfalls plötzlich setzte sehr starker Regenfall ein, dem ich ohne Unterstand völlig ausgesetzt war. Immerhin hatte ich den Schirm dabei, und so verkroch ich mich mit Stativ und Rucksack darunter und versuchte, möglichst wenig nass zu werden. Etwa 20 Minuten lang schüttete es wie aus Kübeln, bis es endlich wieder aufhörte. In dieser Zeit war nur unter erschwerten Bedingungen zu fotografieren.

Mittlerweile war es nun ganz dunkel geworden, wegen Winterzeit eine Stunde früher als gestern. Dies verleitete mich, noch einmal auf den Mt. Victoria zu gehen und von dort oben Nachtaufnahmen zu machen. Der Weg hinauf war praktisch unbeleuchtet, was nicht gerade eine Hile war.

Für diese schönen Aufnahmen belohnte ich mich mit einem feinen Nachtessen in einem Restaurant in Devonport. Ich realisierte dann, dass das Schiff hinüber nach Auckland nur noch stündlich fährt, was mir einige Minuten Überbrückungszeit gab, die ich mit Aufnahmen des Harbours und der Harbour-Bridge vom Schiffssteg aus füllte.

Nach der Überfahrt zurück nach Auckland gab es noch die letzten Nachtaufnahmen im Hafengebiet. Wegen des Osterfeiertags waren die Bürogebäude relativ dunkel, an einem normalen Abend wäre noch mehr Licht eingefangen gewesen zu sein.

Nun war die Zeit für den Feierabend gekommen, schliesslich musste ich ja auch noch mein schönes Hotelzimmer geniessen.

Die heutige Reiseroute, die letzte mit dem Mietwagen, sieht folgendermassen aus: