13. Reisetag

Mittwoch, 1. August 2012

Åndalsnes-Kristiansund

Zweimal Volltreffer heute!

Ganz zu Beginn herzliche Grüsse in die Schweiz und Gratulation zum nationalen Geburtstag. In Norwegen kennt man den 1. August auch, jeder Norweger und jede Norwegerin kennt ihn, nicht aber als schweizerischer Nationalfeiertag, sondern als normaler Wochentag… Ich bin froh, hier in Norwegen keine Ansprachen über Finanzkrise, EU und Bankengeheimnis anhören zu müssen, und auf die Knallerei der Feuerwerkskörper kann ich auch verzichten.

Nachdem der gestrige Tag eher von schlechtem Wetter geprägt war (es hätte zwar noch schlimmer sein können), war ich auf den heutigen Tag gespannt. Tatsächlich hatte die Wolkendecke, die immer noch da war, eine Struktur, und es waren kleine blaue Löcher auszumachen.

Beim Frühstück überlegte ich mir, wie das grosse Kreuzfahrtschiff, das gestern im Hafen von Åndalsnses angelegt war, die ganze Aussicht des Städtchens versperrte. Das Schiff war aber noch gestern Abend weggefahren, so sah man schön übers Meer. Und während ich an das gestrige Schiff dachte, kam schon das nächste, das noch grösser war. Wenig später überschwemmten Hunderte deutsche Touristen den Ort.

Die deutsche AIDA-Reederei verfügt über grosse Kreuzfahrtschiffe, die sich ab und zu auch in die norwegischen Fjorde bewegen. Heute erreichte die AIDA Luna Åndalsnes am Morgen. Hunderte Passagiere stiegen aus, um an einem Landausflug teilzunehmen.

Ich entschied mich, noch einmal in Richtung Trollstigen zu fahren (ca. 15 km), da die Wolkendecke heute eigentlich genügend hoch war. Und nach Niederschlag sah es im Moment auch nicht aus. Je näher ich der Bergstrasse mit den vielen engen Kurven kam, umso besser wurde das Wetter. Oben angekommen durfte ich mich über recht gutes Wetter freuen. Natürlich waren auch etwa 10 Reisebusse mit den Touristen vom Kreuzfahrtschiff und viele weitere Touristen auf der Passhöhe. Die Reisebusse konnten mit den breiten Wohnmobilen kaum kreuzen, obwohl die Strasse immer wieder ausgebaut wird.

Vom Trollstigen, also dem Scheitelpunkt der Passstrasse, hat man eine fabelhafte Aussicht auf das Tal Richtung Åndalsnes und die Haarnadelkurven der Strasse. Es wurden in den letzten Jahren einige Aussichtsplattformen und ein topmodernes Bergrestaurant gebaut.

Darauf setzte ich meine Reise in der gleichen Fahrtrichtung fort und landete, was ja klar ist, wieder einmal in Valldal am Norddalsfjord (siehe Reisebericht des 11. und 12. Reisetags). Die Westseite des Trollstigen ist eine flachere Rampe, aber es müssen genau gleich viele Höhenmeter überwunden werden. Die Gegend mit dem Meiardal ist auch sehr schön.

Die Bewölkung hatte wieder merklich zugenommen, aber es gab auch sonnige Abschnitte. In zügiger Fahrt steuerte ich Ålesund zu, liess die Stadt aber links liegen und fuhr auf die nördlichen Inseln. Diese erreicht man über zwei tiefe Untermeertunnel und eine Brücke. Der eine Tunnel begann mit einer 360-Grad-Schleife bergab, was mir schon ein bisschen abenteuerlich vorkam. Die äusserste Insel, Godøy, hat einen alten Leuchtturm, der als Sehenswürdigkeit gilt. Zwar war ich vor vielen Jahren schon einmal dort, aber ich hatte wieder einmal Lust für einen Besuch. Glücklicherweise gab es im Gebiet von Ålesund grössere blaue Löcher in der Wolkendecke, so dass ich die Fahrt auf die Inseln, soweit sie nicht unter Tag verlief, bei Sonne geniessen konnte.

Die nächste Etappe war die Fähre von Vestnes nach Molde. Zwischen Ålesund und Vestnes regnete es immer wieder, und auch Molde war nicht gerade im Sonnenschein.

Verlässt man Molde nordwärts, durchquert man das Gebirge in einem gebührenpflichtigen Tunnel. Auf der anderen Seite des Bergs war das Wetter wieder viel besser. Eigentlich erst vor der Ortschaft Bud, die an der nordwestlichen Ecke der Halbinsel Fræna liegt, war die Wolkendecke wieder geschlossen. Da ich vor wenigen Jahren eine Ferienwoche in Bud verbrachte, kenne ich diese Gegend bei Sonnenschein. In zügiger Fahrt, kaum ein anderes Auto gesehen, steuerte ich dem Atlanterhavsveien zu. Es handelt sich um eine touristische Strasse, die etwa 5 km lang ist und von Inselchen zu Inselchen und über Brücken führt. Ich war zwar schon zweimal dort, aber noch nie mit dem Auto. Und so freute ich mich ein zweites Mal heute, dass auch dieser Höhepunkt bei Sonnenschein stattfand.

Ein letztes Wolkenloch befand sich gerade an der richtigen Stelle, so dass ich die attraktive Strasse im sonnigen Abendlich erleben durfte. Das Wolkenloch bewegte sich lange parallel zu meiner Weiterfahrt – ich gönnte mir auf der Insel Averøya den Umweg über Kvernes – und verschwand erst etwa eine halbe Stunde später. In Kvernes besuchte ich eine weitere Stabkirche, und zwar eine der jüngsten Stabkirchen. Da Stürme schon mehr als eine Kirche in Küstennähe weggeblasen haben, wird die alte Kirche mit Abstützungen gesichert.

Schliesslich folgte ein weiterer tiefer Unterseetunnel nach Kristiansund. In Kristiansund, nicht zu verwechseln mit Kristiansand an der norwegischen Südküste, führte mich das Navigationsgerät zielstrebig zum Hotel. Ein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt rundete den heutigen Tag ab. Kristiansund ist recht schön auf mehreren Hügeln gelegen, ist aber abends um 20 Uhr schon eine tote Stadt.

Wie gewohnt am Schluss die Reiseroute: