
17. Reisetag
Sonntag, 5. August 2012
Lycksele-Luleå
Bei sehr sonnigem Wetter startete ich den heutigen Tag in Luleå. Es hatte zwar allerlei Sorten Wolken am Himmel, aber grundsätzlich war es wunderbar. Und vor allem warm: schon am Morgen mass mein Auto die Aussenlufttemperatur mit 15.5°C.
Da mein Hotel in unmittelbarer Nähe zum Flughafen war, fuhr ich noch schnell dorthin, um zu schauen, was für Flugverbindungen ab Luleå angeboten werden. Für heute waren nur 7 Flüge nach Stockholm-Arlanda auf dem Programm.
Beim Flughafen von Luleå entdeckte ich den ersten Occasions-Saab Grippen für Ueli Maurer. Bis der Deal mit dem VBS abgeschlossen ist, steht er als Ausstellungsstück bei der Zufahrtsstrasse.
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Neben der Stadt Luleå fliesst der Luleälven ins Bottnische Meer. Er ist dort sehr breit, aber die Fliessgeschwindigkeit ist wegen der geringen Höhenunterschiede im Land niedrig. Eine formschöne Brücke überquert den Luleälven:
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Zum ersten Mal sah ich die komischen Büchsen, die bei praktisch jedem Parkplatz stehen, in Åre, wusste aber nicht, was diese sollen. Nachdem ich einmal eine geöffnete sah, weiss ich jetzt Bescheid: das sind Steckdosen, um die Autos vor dem Erfrieren zu schützen.
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Auf dem Weg nach Boden fuhr ich an der Ortschaft Gammelstad („alte Stadt“) vorbei, die auf der Liste der Unesco als Kulturgut aufgeführt ist (das wusste ich, als ich die Wegweiser zur Sehenswürdigkeit sah, noch nicht). Die Ortschaft repräsentiert eine typische Kirchenstadt, das heisst, es hat mitten in der Ortschaft eine grosse mittelalterliche Kirche, und die Ortschaft selber besteht aus rund 400 kleinen Häuschen, die teilweise ein Museum bilden. Es war wirklich ein hübscher Ort, und ich war im Nachhinein ganz froh, dass ich den Wegweisern gefolgt bin.
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Dann erreichte ich bald die Stadt Boden. Das Navigationsgerät bat mich nun, 132 km der gleichen Strasse zu folgen, bis ich in Jokkmokk landete. Jokkmokk tönt so richtig samisch, aber nachdem die Samen nicht mehr in Zelten leben, merkt man heute nicht mehr viel davon.
Kurz vor Jokkmokk überquerte ich um 12.15 den Polarkreis. Natürlich hatte es dort einen Parkplatz mit Informationstafeln und ein WC und einen gedeckten Unterstand. Ich nützte die Gelegenheit, anlässlich des Polarkreisüberschreitens einen Elch-Aufkleber auf meinem Auto anzubringen, wofür vorher noch eine partielle Reinigung notwendig war. Im gleichen Atemzug säuberte ich die Frontscheibe und die beiden Rückspiegelrückseiten von den Subpolarkreismücken, damit es wieder Platz hat für die Ultrapolarkreismücken.
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Die nächste Etappe hiess Gällivare. Dort hatte ich gerade Gelegenheit, den Intercity von Narvik nach Luleå zu fotografieren (also eine von drei täglichen Zugverbindungen). Die schwedischen Staatsbahnen führen alle paar Jahre einen neuen Anstrich ein, neuerdings sind die Lokomotiven rot-weiss und die Wagen grau (vor ein paar Jahren war noch blau-rot aktuell).
Seit Jokkmokk regnete es immer wieder. Zwischendurch war es wieder sonnig, plötzlich fiel wieder Regen. Die Fahrt von Jokkmokk nach Gällivare wäre wieder etwa gleich eintönig wie die letzte Etappe gewesen, wenn nicht plötzlich 4 Rentiere neben der Strasse am Essen gewesen wären. Sofort angehalten, Scheibe runter und geknipst. Vor Autos und Menschen fürchten sich diese Tiere offenbar nicht, denn sie machten sich dann sehr gemächlich auf den Weg und gingen mitten auf der Strasse. Da die Durchfahrt kurzzeitig nicht möglich war, hielt ich die Rentiere ein weiteres Mal fotografisch fest. Ich bin sogar ausgestiegen und an die Tiere herangegangen, obwohl ich eigentlich gar nicht wusste, ob die dann auf mich losrennen würden...
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Zwischen Gällivare und Kiruna begegnete ich noch einem weiteren Rentier. Dieses wurde gleich durch die Windschutzscheibe fotografiert, anhalten musste ich ja sowieso.
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Auf dem Weg nach Kiruna, weitere 132 km ab Gällivare, gab es mehrere sonnige Abschnitte, aber auch Regen.
Kiruna ist kein schöner Ort, es ist mehr eine Ansammlung von Häusern. Zwar hat es mittlerweile so etwas wie ein Stadtzentrum, aber von einer Stadt sprechen kann man fast nicht. Dominant ist der Berg, aus dem das Eisenerz abgebaut wird, und ebenso dominant ist der neu entstandene Berg mit dem Aushubmaterial.
Besonders interessant ist die Erzbahn ab Kiruna. Auf der Strecke Kiruna-Narvik verkehren fleissig sehr lange und schwere Güterzüge, die ab Kiruna die Rampe bis Riksgränsen (Scheitelpunkt an der Reichsgrenze zu Norwegen) erklimmen und dann relativ steil bergab nach Narvik fahren. Der Hafen von Narvik ist wegen des Golfstroms das ganze Jahr über eisfrei, das Bottnische Meer hingegen nicht.
1994, als ich zum ersten Mal hier war, verkehrten noch alte, dreiteilige Lokomotiven mit Stangenantrieb. Seit gut 10 Jahren fahren 12-achsige Doppellokomotiven von Adtranz resp. Bombardier mit Technik aus Oerlikon (die Lokomotiven selber wurden im Werk Kassel gebaut). Diese weltweit stärksten Lokomotiven ziehen 68 Erztransportwagen, von denen jeder vollbeladen 124 t wiegt. Die totale Anhängelast von 8432 Tonnen entspricht etwa 13 zusammengehängten Intercity-Zügen Romanshorn-Zürich-Genf!
Da meine Ankunft in Kiruna relativ früh war, ging ich spazieren, um das Geschehen um die Erzzüge mitzuverfolgen. In den 18 Jahren, in denen ich nicht mehr hier war, hat sich ausserordentlich viel geändert.
Während meines Spaziergangs trafen zwei Leerzüge aus Narvik ein. So ein Zug mit 68 gleichen Wagen wirkt sehr eindrücklich.
Dann wurde es immer dunkler und dunkler, und schliesslich begannen sich die Wolken zu entleeren. Kiruna wurde dadurch nicht schöner...
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Und das war die Route des 17. Reisetags:
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