18. Reisetag

Montag, 6. August 2012

Kiruna-Narvik

So schlecht war das Wetter heute beim Aufstehen nicht mehr, hatte doch die Wolkendecke eine Struktur erhalten und sogar hellere Stellen. Dies machte Kiruna schon etwas freundlicher. In der Nacht wurde es nie richtig dunkel, da ich mittlerweile schon sehr weit im Norden bin.

Das Hotelzimmer war zwar recht klein, aber sauber und in gutem Zustand. Fast die ganze Einrichtung stammte aus der IKEA mit entsprechendem Wiedererkennungswert. Auch das Frühstück war reichhaltig genug.

Zunächst fuhr ich zum Bahnhof von Kiruna, um zu schauen, was alles dort so stand. Immerhin waren über Nacht einige Güterwagen aus Luleå eingetroffen. So standen zwei Lokomotiven der schwedischen Gütergesellschaft Green Cargo im Bahnhof, und ein weiterer Güterzug war abfahrbereit in Richtung Narvik.

Die nächste Etappe war das Lokdepot in etwa 2 km Distanz. 1994 konnte ich mich dort bei meinem ersten Besuch recht freizügig bewegen und die parat stehenden Lokomotiven für den Erzverkehr fotografieren. Heute ist das Areal eingezäunt, und es stand lediglich eine der neuen Doppellokomotiven draussen. Da niemand da war, ging ich schnell durch das offene Tor ins Areal und hielt die Lok, von der ich schon so viel gehört und gelesen hatte, fotografisch fest.

Kiruna heute bei etwas besseren Wetterbedingungen. Mangels einfach erreichbarer Anhöhe leider nur dieses Bild, das links den Berg zeigt, wo in erster Linie das Eisenerz abgebaut wird, und rechts hinten der neue, künstliche Berg aus dem Material, das aus dem Berg geholt wurde und nicht Eisen ist.

Der nördliche Teil Schwedens ist nicht gerade berauschend, was Eisenbahnen anbetrifft - bis auf die Strecke Kiruna-Narvik und Kiruna-Luleå, wo das Eisenerz abtransportiert wird. Auf der Strecke Kiruna-Narvik verkehren heute nur noch zwei Personenzüge in jeder Richtung. Sonst gibt es etwas Güterverkehr und dann eben die langen, schweren Erzzüge.

Es war dann an der Zeit, die Fahrt in Richtung Narvik unter die Räder zu nehmen. Die Strasse war auch heute fast leer, aber ich nahm es sehr gemütlich. Da das Wetter stark aufhellte und die Landschaft langsam interessanter wurde, legte ich immer wieder mal einen Halt ein. Aus dem lappländischen Flachland wurde nach und nach eine Gebirgslandschaft mit schönen, grossen Seen und richtigen Bergen. Natürlich hielt ich die in der Nähe verlaufende Bahnstrecke immer unter Kontrolle, denn gerne hätte ich einen der über 600 Meter langen Erzzüge vorbeifahren sehen.

Die anfänglich flache Landschaft von Lappland ging allmählich über in eine gebirigere Landschaft mit Seen und Fjells. Der höchste Punkt auf der Reise nach Narvik befindet sich ein paar hundert Meter westlich des Skiorts Riksgränsen (Reichsgrenze, Landesgrenze zu Norwegen) auf etwa 550 m.

Je höher und näher ich zu den Bergen gelangte, nahm die Wolkendichte wieder zu. Aber immerhin regnete es nicht. Bei der Bahnstation Vässijaure, die letzte mit einem richtigen Bahnhof, legte ich einen zweistündigen Halt ein, um die durchfahrenden Züge zu fotografieren. Das war gar nicht so leicht, weil die Güter- und Erzzüge nach unbekanntem Fahrplan und unregelmässig fahren und weil der Nachtzug aus Stockholm mit anderthalb Stunden Verspätung kam. Auf der einen Bahnhofsseite hatte es ein Lichtsignal, und wenn das auf grün wechselte, konnte ich innerhalb von 5 bis 20 Minuten mit einem Zug rechnen. In die andere Fahrtrichtung war es schwieriger. Wenn so ein voller oder leerer Erzzug durchfuhr, ertönte ein ganz seltsames Surren, eigentlich recht leise für die Masse, die da vorbeikam.

Ich konnte immerhin 6 Züge fotografieren, d.h. zwei lokale Güterzüge, drei Erzzüge und den Nachtzug aus Stockholm.

Film


Die Durchfahrt eines Eisenerzzuges mit 68 Wagen ist wahrlich ein Spektakel. Leider verkehren diese Züge nur nach Bedarf, so dass es manchmal recht lange dauern kann, bis ein Erzzug auftaucht. In Vässijaure filmte ich die Durchfahrt eines beladenen Zugs auf dem Weg nach Narvik:

Wie sieht eigentlich das Eisenerz, das in ganzen Zügen transportiert wird? Die älteren Erztransportwagen verloren während der Fahrt immer wieder mal was, daher können im Schotter zahlreiche Eisenerz-Kügelchen gefunden werden. Ob sie auch "Nuggets" genannte werden, weiss ich nicht. Ich habe ein paar zusammengenommen:

Als dann länger kein Zug mehr kam und Regen drohte, packte ich meine sieben Sachen und fuhr direkt nach Narvik. Für den Zimmerbezug im Hotel war es noch zu früh, so parkierte ich das Auto beim Bahnhof und machte zu Fuss eine Runde. Schliesslich war ich schon zweimal in Narvik, das letzte Mal war aber auch schon vor 12 Jahren. Beim ersten Besuch in Narvik reiste ich im Juni 1994 mit dem Bus ab Fauske an, doch der Bus nahm den verspäteten Anschluss des Zugs aus Trondheim ab, verpasste deswegen eine Fähre und erreichte Narvik erst etwa um 1 Uhr. Das Hotel hatte mein Zimmer weitergegeben, richtete aber eine Schlafgelegenheit im Büro des Direktors ein. Das war ein unvergessliches Erlebnis, so inmitten der Aktenberge eines fremden Büros zu schlafen. Damals war mir so etwas noch egal, heute wäre ich viel komplizierter. Ach das Alter!

Der heutige Tag ging dann weiter auf dem Bahnhof Narvik, wo dann tatsächlich ein 8000-Tonnen-Erzzug zur Entladeanlage durchfuhr. Es folgte bald noch ein Leerzug zurück nach Kiruna, dann war es Zeit fürs Hotel. Dies liegt in nur 1 km Entfernung zum Bahnhof, tönt doch gut, aber das ist Luftlinie und dazwischen sind noch 200 Höhenmeter. Zum Glück habe ich das Auto. Wenigstens hat es neben dem Hotel gleich die Gondelbahn auf das Narvikfjell und mehrere Skilifte.

Narvik liegt wunderschön an einem Fjord in der Provinz Nordland. Die Stadt breitet sich immer weiter bergwärts aus, wo es exklusive Wohnlagen gibt. Von dort sieht man auch die Umladeanlage, wo das Eisenerz von der Bahn auf die Schiffe verladen wird.

Auf das Narvikfjell verkehrt eine Gondelbahn spezieller Bauart. Viermal drei Gondel sind fest am Seil montiert, und zum Ein- und Aussteigen hält die Bahn an (d.h. in der Mitte der Fahrt hält man auch an):

Fürs Nachtessen beim Italiener, der eher Türke oder was war, musste ich nochmals runter ins Tal. Ich machte das vorbildlich zu Fuss. Das Wetter wurde wieder massgeblich besser seit meiner Ankunft in Narvik.

Mit 192 km war es eine kurze Etappe im Vergleich zu den Vortagen.

Ich bin froh wieder zurück in Norwegen zu sein. Hier kann ich wenigstens in der Landessprache mit den Leuten reden. In Schweden war das immer so ungewohnt. Eigentlich hätte ich dort problemlos Norwegisch kommunizieren können, aber die Antwort auf Schwedisch habe ich dann meistens doch nicht recht verstanden. Also wechselte ich dann doch auf Englisch.

Und das war die Route des 18. Reisetags: