26. Reisetag

Dienstag, 14. August 2012

Rognan-Sandnessjøen

Wie mit Petrus vereinbart war das Wetter heute Morgen blendend schön. Und so gab es eigentlich keine Frage, wo ich heute meine Kilometer abspulen würde.

Die Hauptstrasse 812 führt von Rognan bis zum Saltstraumen, ist wenig befahren und bietet landschaftlich viel Abwechslung. Die zahlreichen Fotohalte, die vielen Kurven und die immer wieder auf der Strasse und in Tunnels weidenden Schafe führten zu einer wesentlich längeren Fahrzeit als berechnet. Es war aber ein guter Entscheid, diese Route zu nehmen, weil es einfach schön war. Hier ein paar Eindrücke:

Als ich die Brücke über den Saltstraumen sah, wurde ich schwach und ging noch einmal dorthin. Dank dem guten Wetter war der Ausblick von der grossen Brücke aus einen Abstecher wert:

Weiter folgte ich der Reichsstrasse 17, die ich bei schlechtem Wetter schon einmal „gemacht“ hatte. Wo es mir gefiel, hielt ich an (sofern dies möglich war). Am späteren Nachmittag wären die Lichtverhältnisse noch etwas besser gewesen, aber dann wollte ich schliesslich schon weiter im Süden sein.


Obwohl die Küstenstrasse 17 offiziell zu den touristischen Sehenswürdigkeit gehört, wird sie von den Touristen gemieden, weil man wesentlich mehr Zeit als auf der E6 braucht und weil die zahlreichen Fährverbindungen ein halbes Vermögen kosten. Das sind ein paar Eindrücke bis Ørnes:

Im Raum Ørnes, Glomfjord und Svartisen-Gletscher staunte ich nicht schlecht, was da alles noch für Berge auftauchten, die ich wegen der Bewölkung nicht gesehen oder nicht wahrgenommen hatte. Auf jede landschaftlich schöne Stelle folgte inner Kürze die nächste, es war wirklich unbeschreiblich.

In Forøy stand die erste Fähre (nach Ågskaret) auf dem Programm. Als ich ein paar Kilometer vor Forøy sah, dass die Fähre bald anlegen wird, gab ich zünftig Gas, da ich damit rechnete, dass sie in wenigen Minuten wieder abfahren würde. Die Fähre um 14.30 wollte ich eigentlich erreichen, da die nächste wohl erst in einer Stunde vorgesehen war. So ging es ein bisschen sehr zügig durch das Dorf Halsa, aber ich erreichte die Fähre sogar mit wenigen Minuten Reserve. Als dann kurz nach Abfahrt plötzlich Hektik aufkam und Männer mit Funkgeräten zu sehen waren, hoffte ich doch sehr, dass nicht die Polizei auf der Suche nach dem Raser war, der sich soeben nicht an die 50 km/h-Limite in Halsa gehalten hatte. Es ging jedoch um einen Lastwagen, der auch noch auf die Fähre musste, und so kehrte das Schiff an die Ausgangsstation zurück und liess den Lastwagen noch auffahren. Das ist typisch Norwegen.

Nach nur 28 km Strasse war die nächste Fähre an der Reihe, nämlich diejenige von Jektvik nach Kilbogham. Diese Fähre braucht etwas mehr als eine Stunde und fährt nur etwa alle 2 ½ Stunden. Wegen der Geschichte mit dem Lastwagen blieb für die 28 km lange Strecke genau eine halbe Stunde, so dass sich die Kolonne mit zügiger Geschwindigkeit bewegen musste. Das Hindernis war nicht der Lastwagen, sondern ein Wohnmobil. Somit wurden hier auch alle Fotohalte gestrichen.

Die Fährenfahrt Jektvik-Kilboghamn hatte ich vor ein paar Tagen bereits bei düsterem Wetter erlebt. Heute war es wirklich eine ausserordentlich schöne Fahrt, die Landschaft war so unbeschreiblich herrlich. Dank der sommerlichen Temperatur, die über 20 Grad lag, war es angenehm auf den offenen Decks der Fähre. Einmal erhielt das Schiff fast Schlagseite. Das war, als in Fahrtrichtung links das Polarkreismonument vorbeifuhr und alle mit dem Fotoapparat auf diese Seite drängten.

In Kilboghamn räumte ich zuerst einmal mein Auto auf, das voller Abfall war. Dann erforderte die Frontscheibe eine Reinigung. Seit Beginn der Reise habe ich 5 Rollen Haushaltpapier und zwei Flaschen Scheibenputzmittel verbraucht, da es zeitweilig fast gar „Mücken regnet“. Auf der Frontseite des Autos klebt mittlerweile eine ganze Schicht Mücken und andere Flugobjekte.

Die Fortsetzung der Küstenstrasse 17 ab Kilboghamn nahm ich vor ein paar Tagen recht zügig, da ja das Wetter schlecht war und in Mosjøen das Hotelzimmer wartete. Heute nahm ich mir jede Menge Zeit, hielt an, wo es mir gefiel, fotografierte und staunte, und fuhr dann weiter. Ich kümmerte mich nicht um die Abfahrtszeit der nächsten Fähre von Nesna nach Forvik. Trotzdem konnte ich in Nesna gleich auf die Fähre fahren, sie schlossen die Klappen hinter mir, und schon fuhr die Fähre ab. Ich entdeckte dann einige Reisende, die auch auf der letzten Fähre waren.

Ab Forvik nahm ich es einmal mehr gemütlich. Ich liess die ganze Kolonne abfahren und wartete ein paar Minuten, um genügend Distanz zu haben (sonst hole ich die alle wieder ein innert Kürze). Damit war mir eine freie, ungestörte Fahrt in Richtung Sandnessjøen möglich, die ich voll auskostete. Kurz vor Sandnessjøen hat es eine riesige Brücke, die Helgeland-Brücke, die ich zwar auf früheren Reisen auch schon besichtigt hatte, aber mit dem Abendlicht war sie so schön wie noch nie zuvor.

Endlich! Vor Sandnessjøen erblicke ich endlich einen Elch. Leider ist es kein echter Elch...

Eingangs Sandnessjøen entdeckte ich ein Motel, wo man bereit war, mir ein Zimmer für eine Nacht zu verkaufen. Es hat auch hier eine Pizzeria, die Kebab serviert, und der Italiener ist wieder einmal Türke. Die Musik im Lokal ist weniger Adriano Celentano, eher morgenländisch, aber für die Norweger ist Italien ebenso weit weg wie die Türkei.

Nach dem Zimmerbezug setzte ich mich noch einmal in mein Auto, um von den Sieben Schwestern noch Fotos machen zu können. Die Sieben Schwestern sind sieben Berge in einer Reihe östlich von Sandnessjøen, die sich im wunderbarsten Abendlicht präsentierten. Die besondere Stimmung mit der Abendsonne gab einige prächtige Fotosujets.

Von meinem Hotelzimmer aus habe ich den Blick auf eine Shell-Tankstelle, einen Supermarkt und die Sieben Schwestern.

Morgen geht’s weiter südwärts. Wegen den vielen Fähren und deren Fahrpläne war es heute nicht mehr möglich, bis Brønnøysund zu gelangen.

Wolkenlos geht der Tag zu Ende. Ob das Superwetter noch anhält, wage ich zu bezweifeln, denn schon zwei schöne Tage am Stück sind in Norwegen selten.

Wie gewohnt zum Schluss die Karte, heute auf zwei Bilder aufgeteilt: