2. Reisetag

S A M S T A G ,   2 7 .   J U L I   2 0 1 3 

Snåsa - Rørvik - Brønnøysund - Sandnessjøen


Abgesehen von einigen Schleierwolken begann der Tag ausserordentlich sonnig. Ich setzte mich gegen 9 Uhr hinter das Steuer meines Playmobils und startete zur zweiten Etappe, nachdem ich alle Warn- und Fehlermeldungen abgearbeitet hatte. Immerhin fährt der Wagen nicht ab, wenn der Kofferraum nicht geschlossen ist.

Der Weg zurück auf die E6 führte über eine ungeteerte Strasse, womit mein Auto äusserlich ein ganz neues Aussehen erhielt. Auf leerer Strasse gelangte ich rund 30 km nordwärts, dann zweigte ich ab auf eine Nebenstrasse. Mein erstes Ziel war der Landzipfel bei der Stadt Rørvik, der recht weit ins Meer hinausragt. Die Fahrt führte also in nord-westlicher Richtung.

Die Nebenstrasse mit der Nummer 776 führt durch eine wunderschöne Landschaft bis zur Fähre Geisnes - Hofles. Die Strasse ist mehr oder weniger einspurig angelegt mit Ausweichen, aber mehr als fünf Autos sind mir auf den rund 70 km ohnehin nicht begegnet. Es ging fortwährend bergauf und bergab, an Seen vorbei und durch Täler. Etwa 60 km lang war die Gegend komplett unbewohnt. Besonders eindrücklich war der langgezogene See Skrøyvstadvatnet inmitten hoher Berge, wo die glatte Oberfläche für sensationelle Spiegelungen sorgte:



Als ich nach fast unendlicher Berg- und Talfahrt ans Meer gelangte, sah ich in der Ferne eine Bodennebelwand. Bereits letztes Jahr war ich in dieser Gegend, und auch damals war dort Bodennebel. Ich hätte nicht gedacht, dass dies im Juli mit den hohen Temperaturen auch möglich ist.

Das Warten auf die Fähre Geisnes - Hofles bescherte mir eine Stunde Pause. Da die abgelegenen Fähren teilweise sehr wenig fahren, hätte es durchaus sein können, dass die Wartezeit länger ausgefallen wäre.
Die gleiche Fähre bedient auch die Strecke Hofles - Lund. Auf dem nachfolgenden Bild fährt sie unter letzten Nebelschwaden.





Die Fahrt von Hofles nach Rørvik fand bei vollem Sonnenschein statt, während am Horizont immer wieder Nebelbänke zu sehen waren und von Süden her eine kompakte Wolkendecke vorstiess.

Am äussersten Zipfel der Inselgruppe bei Rørvik wird eine Windfarm betrieben. Nimmt man sich die Mühe, einen der Hügel mit einem Windrad zu besteigen, wird man mit einer wunderbaren Aussicht belohnt:



Rørvik liegt auf einer Insel, die über eine sehr grosse Brücke mit dem Festland verbunden ist. Als ich heute zum ersten Mal in Rørvik vorbeikam, lag die Ortschaft gerade an der Nebelgrenze, während die Brücke frei war. Bei der Rückkehr vom Inselzipfel war die Brücke tief im Nebel, so dass ein wenig das "Golden-Gate-Bridge-Feeling" aufkam:



Von Rørvik ging die Fahrt ostwärts bis zum etwas grösseren Ort Kolvereid, dann nordostwärts bis zur Fähre Holm-Vennesund. Kurz vor Holm endete die Provinz Nord-Trøndelag, fortan war ich in der Provinz Nordland unterwegs. Ab Kolvereid war die gut ausgebaute Strasse praktisch leer, so dass es ganz angenehm war, diese kurvige und hüglige Strecke bei schönstem Sonnenschein unter die Räder zu nehmen und bei Bedarf einen Fotohalt einzulegen.



Die Fähre, die um 17.45 hätte fahren sollen, fiel aus unbekannten Gründen aus, so dass es zu einer über eine Stunde langen Wartezeit kam. Da noch weitere Fähren auf dem Programm standen, brachte dieser Ausfall meine Reisepläne durcheinander. In Norwegen ist die Einhaltung der Fahrpläne viel weniger strikt als bei uns in der Schweiz. Für die heute Morgen benützte Fähre Geisnes-Hofles war nirgends ein Fahrplan angeschlagen, da half einzig das Internet.

Auf dem Weg nach Vennesund kam die Nebelwand wieder näher. Die Überfahrt, die etwa 15 Minuten dauerte, war noch bei Sonnenschein, die anschliessende Fahrt nach Brønnøysund erfolgte in zunehmenden Mass im Nebel.



Brønnøysund lag im dichtesten Herbstnebel. Ich versuchte dort, im Corner Motell, wo ich auf früheren Reisen schon zwei Mal war, ein Zimmer zu erhalten, was aber nicht möglich war. Im Gegensatz zu den früheren Jahren machte das Haus ohnehin einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Das Hotel vis-à-vis hätte noch ein Zimmer gehabt, das mir aber zu teuer war. Eigentlich wollte ich sowieso heute noch bis Sandnessjøen gelangen, also konnte ich auch noch von unterwegs dorthin per Internet ein Zimmer dort suchen.

Die Fahrt nach Sandnessjøen führte zunächst ca. 15 km bis zur kurzen Fähre Horn-Anndalsvag, dann 17 km über eine Insel und am Schluss mit einer rund einstündigen Fährenfahrt Forvik-Tjøtta. Nach einem langen Tag wäre es schön gewesen, wenn die Fähre in Forvik tatsächlich um 21.30 abgefahren wäre. Die rund 12 Autos, 4 Velofahrer und 3 Fussgänger mussten aber bis 22 Uhr warten, bis die Fähre auftauchte. Wäre diese Fähre nicht gefahren, hätte es unweigerlich eine Übernachtung im Auto gegeben, weil auf dieser Insel natürlich kein Hotel zu finden ist.

Auf der Überfahrt nach Tjøtta, im dichten Nebel natürlich, legte die Fähre an drei gottverlassenen Zwischenstationen an, wo Leute ein- und ausstiegen.

Von Tjøtta bis Sandnessjøen sind es rund 40 km. Abgesehen von ein paar Kühen, die in der Dämmerung auf der Strasse weideten, ging die Fahrt zügig. Kurz vor Sandnessjøen löste sich der Nebel kurz auf, so dass ich noch einmal anhalten musste und um 23.30 Uhr diese einmalige Stimmung fotografisch festhalten musste.



In Sandnessjøen wartete im Rica Hotel das Zimmer auf mich.

Und so hat der GPS-Tracker meine Reise aufgezeichnet: