17. Reisetag

Samstag, 16. August 2014

Edingburgh - Franfurt - Zürich

Da der Rückflug kurz nach Mittag stattfand, blieb mir am Morgen nur noch wenig Zeit. Ich spazierte durch die Newtown und widmete mich noch einmal dem neuen Tram. Die Fahrzeuge der spanischen Firma CAF sind optisch wirklich gelungen, sie passen sehr gut in die schottische Hauptstadt.

Wettermässig sah es heute vorerst trocken aus, es windete recht und ab und zu drückte die Sonne durch die Wolken. Nachdem keine Schönwetterperiode angekündigt war, konnte ich die Rückreise ohne grosse Wehmut und Reue antreten, ich war ja genug lange in den Ferien und sollte meine Arbeitskraft nun wieder zur Verfügung stellen. So endete die Schottlandreise mit einer Tramfahrt zum Flughafen von Edinburgh, der definitiv letzten Station dieser Ferien.

Die gestern ausgedruckten Bordkarten deklarierten mich zum Businessclass-Passagier, obwohl ich einen Economy-Spezialtarif mit einigen Einschränkungen gebucht hatte. Bei der Kontrolle meiner Dokumente stellte ich fest, dass ich effektiv in der Business-Klasse gebucht war, vermutlich war das Upgrade eine Folge der in der Economyclass ausgebuchten Maschine. Jedenfalls genoss ich am Flughafen von Edinburgh alle Privilegien eines Businessclass-Passagiers mit Lounge-Besuch und vorzeitigem Einsteigen. Viel nützte das leider nicht, weil der Flug nach Frankfurt arg verspätet war. Einerseits war das Flugzeug zu spät angekommen, dann verpasste es seinen Slot nach Frankfurt, und schliesslich musste eine externe Druckluftversorgung angeschlossen werden, um die Triebwerke zu starten. War das ein Theater, bis die Triebwerke gestartet waren, einer an und für sich renommierten Fluggesellschaft wie die Lufthansa absolut nicht würdig. Als Businessklässler in der dritten Reihe bekam ich ja alles mit, auch das Geschrei zwischen der Flugzeugbesatzung und dem Typen, der seine röhrende Maschine mit aufgesetztem Kopfhörer mit dem Flugzeug koppeln wollte. Koordiniert schien dies nicht abzulaufen.

Der Start erfolgte dann rund anderthalb Stunden zu spät. Der Pilot meldete dann noch, wegen Unwetter in Frankfurt hätte der Abflug noch etwas verzögert werden müssen. Vor der Landung meldete sich der Pilot noch einmal und machte zynische Bemerkungen über die Luftkontrolle in Frankfurt, denn Unwetter gab es sicher in letzter Zeit dort keine, so schön war das Wetter.

Nach der Landung rollte der Airbus A320 zu einem Dock, aber es folgte kein Andocken. Nach einer geschätzten Viertelstunde wurde bekannt, dass alle das Flugzeug über die hinterste Türe verlassen müssten, man hätte festgestellt, dass Schottland ja nicht zum Schengen-Raum gehöre. Bis ich dann von Reihe 3 ausgestiegen war, verging nochmals viel Zeit. Es kam zu einer Busfahrt, dann wurde man im Terminalgebäude noch einmal einer Sicherheitskontrolle unterzogen - als ob die Kontrolle in Edingburgh nicht schon ausgereicht hätte. Das hat doch nichts mit Schengen zu tun!

Der Anschlussflug war weg, aber ich hoffte, auf den nächsten Flug zu kommen. Ich rannte durch den Flughafen zum Gate, was in Frankfurt leicht ein Langstreckenlauf bedeuten kann. Am Gate verwies man mich an den Ticketschalter, um mein Ticket umzuschreiben. Dort verbrachte ich eine Ewigkeit, da einerseits andere Kunden unendlich lang ihre Probleme lösen mussten und anderseits zwischenzeitlich zwei Schalter - ungeachtet der langen Warteschlange - geschlossen wurden. Als ich an der Reihe war, telefonierte die Lufthansa-Angestellte zum Gate, aber ich war nun exakt fünf Minuten zu spät. Dies bedeutete drei Stunden in Frankfurt auf den nächsten Flug warten! Wenigstens konnte ich in die Lufthansa-Lounge und dort die Fluggesellschaft noch ein wenig schädigen. Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende, denn beim Rückflug, nun ein Avro Regionaljet der Swiss, kam es zu einer Verspätung, weil die Putzmannschaft nicht aufgetaucht war. Die Besatzung meinte etwas abschätzig, das sei eben der Standard in Frankfurt.

Mein Fazit: nie mehr Frankfurt, und Lufthansa meiden, wenn es geht. Einen so unfreundlichen und schlechten Service habe ich in meinen vielen Flügen noch nie erlebt.

Epilog

Das waren nun die Ferien in Schottland, die ich schon länger geplant hatte. Es waren schöne Ferien, ich nahm viele schöne bleibende Erinnerung mit auf den Heimweg. Wann ich wieder mal dorthin reisen werde, kann ich nicht sagen, aber es dürfte sich irgendeinmal der Fall sein.

Das Wetter war zu rund 50% gut bis sehr gut, da will ich mich absolut nicht beklagen, es hätte auch ganz anders sein können. Ganz gerne erinnere ich mich an die wunderschönen Tage mit den Reiseetappen Aberdeen - Inverness (4. Reisetag), Inverness - Cairngorms (5. Reisetag), Inverness - Thurso (6. Reisetag), Thurso - Ullapol (8. Reisetag), Isle of Skye (10. Reisetag) und Isle of Mull (15. Reisetag). Wäre ich in der Schweiz geblieben, hätte ich die Sonne weniger lang gesehen.

Die schottische Landschaft kommt an Schönheit nicht an die norwegische heran. Ein Hauptgrund dafür sind die fehlenden natürlichen Wälder, die Landschaft ist recht kahl und kilometerweise mit Farnen überwachsen. Es ist dennoch eine spezielle Landschaft mit einer speziellen Ausstrahlung, die irgendwie beruhigend wirkt und die es sich lohnt, besucht und angeschaut zu haben.

Schottland ist nicht so gross, so dass die Dichte an Touristen in der Hauptreisezeit recht ausgeprägt ist. Wieder im Vergleich zu Norwegen verteilen sich die Touristen weniger gut, das heisst, die touristischen Hotspots sind stets gut besucht und Übernachtungsmöglichkeiten sind häufig ausgebucht.

In Schottland verbrachte ich die Nächte immer in einer richtigen Ortschaft mit Ortszentrum und einiger Infrastruktur. Hotels abseits von Ortschaften oder im Gebirge sind eher die Ausnahme, dies wieder ganz im Gegenteil zu Norwegen.

Die Vielzahl an Schlössern auf der britischen Insel ist sensationell, ein absolutes Highlight. Auf meiner Rundfahrt, die 4040 km lang war (!), kam ich bei 30 Castles vorbei. Zwar sind wir in der Schweiz auch mit zahlreichen Burgen und Schlössern gesegnet, die schottische Vielfalt bleibt unerreicht.

Wenn ich die 17 Tage zählende Reise mit einem Bild verbinden möchte, dann fällt die Wahl auf die Aufnahme des Eilean Donan Castle am 10. Reisetag. Das schöne Schloss in der abgelegenen Landschaft strahlt so richtig Scotlandness aus, ja das ist Schottland, wie ich es mir vorstellte, bevor ich es nun so intensiv kennenlernte, und wie ich es weiterhin in guter Erinnerung behalten werde.

Die "Schön-Wetter-Statistik" mit den Prozentangaben, wie viel vom Tag als "sonnig schön" bezeichnet werden könnte, sieht folgendermassen aus:

1. Reisetag 50 % Zürich - Edinburgh
2. Reisetag 50 % Edinburgh - Perth
3. Reisetag 0 % Perth - Aberdeen
4. Reisetag 100 % Aberdeen - Inverness
5. Reisetag 100 % Inverness - Cairngorm
6. Reisetag 100 % Inverness - Thurso
7. Reisetag 0 % Thurso - Wick
8. Reisetag 100 % Thurso - Ullapol
9. Reisetag 30 % Ullapol - Kyle of Lochalsh
10. Reisetag 100 % Kyle of Lochalsh - Isle of Skye - Inverness
11. Reisetag 10 % Inverness - Fort William
12. Reisetag 0 % Fort William - Mallaig - Cairndow
13. Reisetag 0 % Cairndow - Stalker Castle
14. Reisetag 70 % Cairndow - Kintyre - Oban
15. Reisetag 80 % Isle of Mull
16. Reisetag 50 % Isle of Mull - Edingburgh
17. Reisetag 30% Edinburgh - Schweiz

Auch über die gefahrenen Kilometer gibt es eine Statistik....

1. Reisetag 0 km Zürich - Edinburgh
2. Reisetag 187 km Edinburgh - Perth
3. Reisetag 208 km Perth - Aberdeen
4. Reisetag 315 km Aberdeen - Inverness
5. Reisetag 288 km Inverness - Cairngorm
6. Reisetag 375 km Inverness - Thurso
7. Reisetag 121 km Thurso - Wick
8. Reisetag 338 km Thurso - Ullapol
9. Reisetag 253 km Ullapol - Kyle of Lochalsh
10. Reisetag 420 km Kyle of Lochalsh - Isle of Skye - Inverness
11. Reisetag 122 km Inverness - Fort William
12. Reisetag 285 km Fort William - Mallaig - Cairndow
13. Reisetag 204 km Cairndow - Stalker Castle
14. Reisetag 388 km Cairndow - Kintyre - Oban
15. Reisetag 166 km Isle of Mull
16. Reisetag 370 km Isle of Mull - Edingburgh
17. Reisetag 0 km Edinburgh - Schweiz
TOTAL 4040 km